Wiedererlangen der Sinnlichkeit

»Du bist der Körper«

Heutzutage leiden im modernen Europa viele Menschen an der Unfähigkeit, tief durch den Körper zu lieben. Das äußert sich in einer Vielzahl sexueller Auffälligkeiten und Probleme. Etwa in Form von Erektions-schwierigkeiten, Vaginalschmerzen, Ejaculatio Praecox (frühzeitiger Samenerguss), Menstruations-beschwerden, Lust-Problemen, Ängsten, Entzündungen und Erkrankungen im Genitalbereich.

Die Unzufriedenheit mit dem eigenen Sexualleben ist ziemlich verbreitet und eher hoch. Und die Forscher stellen in den letzten Jahren eine zunehmende Verschlechterung fest. In einer amerikanischen Studie gaben 43% der Frauen und 35% der Männer an, unter sexuellen Störungen zu leiden. Die Ursachen sind breit gefächert und reichen vom offenen Missbrauch bis zur nach wie vor gängigen und keineswegs harmlosenTabuisierung des sexuellen Themas.

koerper-sinnlichDas Christentum hat den Körper vom heiligen Ganzen getrennt. Als Folge rumoren seither Legionen von Schuldgefühlen in der menschlichen Seele. Und im menschlichen Körper kocht rastlose Unerfülltheit. Aus allen Winkeln schreit verdrängte und pervertierte Sexualität nach Erlösung: aus dem Rotlichtmilieu und aus Herzkrankheiten, aus Missbrauchsvorfällen und Alkoholismus, aus Fernsehsucht und Esssucht.

Tantra schafft für die verdrängte Kraft des Eros einen Heilungsraum. Hier kann Sexualität erstmals frei an sich selbst erforscht, entfaltet und kultiviert werden. In diesem Raum erlernen Tantra-Neulinge beispielsweise das tantrische Selbstlieberitual oder die Lingam– und Yoni-Massage.

Tantra ist keine Religion im althergebrachten Sinne. Es gibt im Tantra keine Entsagung, keine Abwertung des Weltlichen, keine Diskriminierung der Frau, keinen Katalog von Bestrafungs-androhungen und keine Forderung zur Unterwerfung unter eine bestimmte Gottesvorstellung. Tantra bejaht das Leben, vergöttert das Weibliche und erklärt den Körper zur verehrungswürdigen Inkarnation des Göttlichen. Die Sexualität gilt im Tantra als heilige, heile und einende Kraft.

Tantra sagt, dass auf dem Weg der menschlichen Vervollkommnung der Körper zurückgewonnen werden muss. Der Körper ist zwar nicht alles, aber ohne den Körper ist alles nichts – zumindest nicht hier auf der Erde. Der Körper wird nur dann zum Hindernis auf dem Weg der Gotteserkenntnis, wenn man ihn bekämpft und Heiliges und Körper in „gut“ und „schlecht“ spaltet.

Wenn Tantra sagt „Du bist der Körper“, ist nicht damit gemeint, dass der Körper nur unbeseelte Materie ist. Das Göttliche hat sich körperlich auf diesem Planeten inkarniert, um das Leben in körperlicher Form zu erfahren. „Du bist der Körper“ ist ein Versuch, der Einheit von Gott und Mensch (Materie) Ausdruck zu verleihen. Zu sagen „Du hast einen Körper“ statt „Du bist der Körper“ führt bereits eine Spaltung ein – als wäre der Körper nicht göttlich.

Quelle: www.meinyoga24.de